Wenn Unternehmen von Digitalstrategie sprechen ist das in der Theorie so einfach, in der Realität aber manchmal eher eine chaotische Baustelle. Grund genug, mal aus der Erfahrung von Unterschied & Macher Erfolgsfaktoren auf dem Weg von der Digitalstrategie zur Implementierung aufzuzeigen.

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen in einer kleinen italienischen Altstadt Touristen neu durch den Ortskern lenken und überlegen dafür eine neue Straße zu bauen.

Auf der einen Seite also die Vision, Touristen schneller durch den Altstadtkern zu leiten, damit nicht immer Stau herrscht. Und auf der anderen Seite eine städtische Infrastruktur, Kommunikationsstrukturen und lieb gewonnene Plätze, die über Jahrhunderte gewachsen sind. Klingt kompliziert und nach Widerspruch.

In Unternehmen finden wir eine ähnliche Lage vor. Historisch gewachsene Strukturen treffen auf Ideen und die Vision für ein besseres Morgen. Zum Beispiel in Form einer Digitalstrategie.

Und wie können wir nun unsere lieb gewonnene Stadt (aka Unternehmen) in das neue Zeitalter tragen, ohne sie in eine chaotische Endlosbaustelle zu verwandeln?

1. Arbeiten alle mit demselben Bauplan?

Prozesse sind nicht ausschließlich Sache einer Abteilung oder eines Bereiches im Unternehmen. Wie der Begriff „Wertschöpfungskette“ schon sagt, sind mehrere Organisationseinheiten betroffen. Und egal in welchem Unternehmen – die größte Hürde ist immer, dass diese bei der Realisierung der Digitalstrategie an einem Strang ziehen.

Zum Einen, weil „Silodenken“ gelebte Arbeitsrealität in Unternehmen ist. Wenn es nun um Digitalisierung geht, liegt bei Prozessen i.d.R. immer ein Problem an Übergabepunkten und dem fehlenden Verständnis, wie der Gesamtprozess gemeinschaftlich gehandhabt wird.

Einer der größten Gegner auf dem Weg? Individuelle Ziele der Abteilungen, die sich teilweise gegenseitig aushebeln.

Lösen Sie diese Hürde auf und Sie haben einen maßgeblichen Erfolgsfaktor auf Ihrer Seite. Zum Beispiel mit diesen drei Best Practices.

Bleiben wir bei unserem Beispiel der Altstadt: Stellen Sie sich vor, jeder Stadtteil bringt aus der eigenen Perspektive Verbesserungsideen ein. Das bringt endlos viele Vorschläge hervor. ABER: Am Ende muss der neue Aufbau der Stadt ja für die Touristen funktionieren.
Das Finden einer gemeinsamen Lösung ist deutlich einfacher und erfolgsorientierter, wenn der Kunde navigiert.

Bringen Sie alle Beteiligten (nicht nur das Management!) an einen Tisch und erleben Sie den Gesamtprozess gemeinsam. Dafür kann es auch mal verspielt werden, z.B. mit Lego. Das hilft, bislang unentdeckte Prozessdetails aufzudecken und den gemeinsamen Bauplan zu schärfen.

Etwas herausfordernder aber ein großer Erfolgsfaktor. Gemeinsame Ziele und Budgets für übergreifende Vorhaben anstatt weitere Parallelinitiativen und Silodenken.

Lego Kreativsession zur Darstellung eines Projektes

2. Klare Ziele. Agilität auf der Reise.

Pläne sind toll. Bis sie auf die Realität treffen. Sind wir mal ehrlich: die meisten großen Pläne und Vorhaben überstehen den ersten Kontakt mit dem Kunden nicht unbeschadet. Und das ist gut so!
Denn darüber könnten wir nun verzweifeln. Oder man begreift es als Chance, in einer komplexen Welt schnell voran zu kommen.

Wir brauchen keine langfristig geplante Detailroute. Was wir brauchen, sind gute Etappenziele auf dem Weg zu unserem langfristigen Ziel und die Flexibilität, unsere Route anzupassen, falls sich unterwegs zentrale Annahmen ändern. Kurzum: gelebte Agilität in Unternehmen.

Ihre Best Practices, damit man bei der Implementierung der Digitalstrategie beweglich bleibt:

Agile Strategiemodelle bringen die unternehmerische, strategische Ziele und agile Arbeitsmodelle zusammen. So behält man einen Überblick über den Plan aber schränkt sich gleichzeitig auf dem Weg der Zielerreichung nicht ein. Ein Beispiel dafür: OKR (Objektives and Key Results).

Lassen Sie es mich wieder anhand des Altstadt-Beispiels erläutern. Ein erstes Etappenziel könnte eine Art Leitsystem sein, um Orientierungsprobleme von Touristen zu lösen.
Sie sehen, bei Etappen geht es nicht darum, den ersten Teilabschnitt der Straße zu bauen, sondern in sich funktionierende Lösungen in Richtung der Zielvision zu schaffen.

Gerade wenn es in Richtung digitaler Geschäftsmodelle geht, ist es ratsam, die Relevanz für Ihre Kunden immer im Fokus der Strategieimplementierung zu setzen. Wählen Sie eine Kennzahl, die das abbildet – z.B. den Kundennutzen in Form der Zufriedenheitsabfrage. Diese Kennzahl validieren Sie parallel zur Strategieimplementierung regelmäßig. Je weiter Sie voranschreiten, desto höher sollte der Kundennutzen werden.

3. Digitalisierung ist ein Teamsport.

Digitalisierung ist nichts, was das Management sich ausdenkt und was dann einfach noch umgesetzt werden muss!

Was uns leider häufig begegnet ist eine starke Entkopplung von Management und Mitarbeitern. Das sieht in der Regel dann so aus: das Management hat eine fundierte Strategie vor Augen, beim Mitarbeiter kommt aber nichts bis wenig davon an.

Ursache kann sein, dass Kommunikation nur als Einbahnstraße gesehen wird oder relevante Inhalte nur mittels Power Point Folien oder Intranet-Artikeln weitergegeben werden.

Wie soll da ein gemeinsames Bild der Zukunft entstehen? Und wie soll man das dann auch noch umsetzen?
Unserer Erfahrung nach führt kein Weg an diesen drei Dingen vorbei:

Je komplexer unsere Welt wird, desto wertvoller sind die Mitarbeiter mit ihren Ideen, Facetten und ihrem Nischenwissen. Dieses Wissen brauchen wir dringend, damit wir eine Implementierung erfolgreich machen können.
Planen Sie also die Umsetzung der Digitalstrategie in heterogenen Teams (damit meine ich verschiedene Abteilungen und auch unterschiedliche Führungsebenen) wo immer es möglich ist! Die Workshops, in denen Management und Mitarbeiter partnerschaftlich und auf Augenhöhe Digitalisierungsziele operationalisieren bringen die besten Ergebnisse!

Wir alle sind emotionale Wesen und wollen Teil einer großen Geschichte sein. Wer Digitalisierung erfolgreich umsetzen will muss also ein gemeinsames Gefühl im Team erzeugen anstatt pure Zahlen zu präsentieren, z.B. mithilfe von Storytelling. Damit wecken Sie gemeinsame Energie und nehmen Ängste.

Beantworten sie nicht nur das „was“ sondern sprechen Sie auch gemeinsam über das „wie“. Das Management ist darin geschult, das Große Ganze im Blick zu haben, Umwelteinflüsse einschätzen zu können und bewusst, die alltäglichen Hürden auszublenden. Kombiniert mit den Fähigkeiten und Prozessnähe der beteiligten Mitarbeiter entsteht so ein Gespräch auf Augenhöhe. Diese Zusammenführung der Kompetenzen ist der Schlüssel zu geballter Umsetzungsstärke!

Zusammengefasst.

Was ich in der langjährigen Zusammenarbeit mit Kunden gelernt habe: es gibt keine Blaupause für Digitalstrategien und ihre Umsetzung. Jedes Unternehmen und jedes Geschäft ist anders und wir beginnen nie auf der grünen Wiese.

Wer sich vornimmt, eine Digitalstrategie zu implementieren steht vor vielen Herausforderungen. Und dennoch führt kein Weg daran vorbei, wenn man zukunftsorientiert sein Unternehmen steuert. Denn am Ende lohnt sich der Aufwand.

Sei es, weil Sie höhere Kosteneffizienz erreichen durch die Digitalisierung der Wertschöpfungskette, neue Märkte und Kundengruppen erschließen, Umsatzpotenziale durch neue Geschäftsmodelle freisetzen oder ein besseres Zusammenarbeiten durch die Nutzung des technologischen Fortschritts. Und ganz nebenbei wird die Zusammenarbeit Ihres Teams beschleunigt.

Was meinen Sie dazu? Wir wollen gerne mit Ihnen die Diskussion weiterführen.

Autor

Heike Rehm
Head of Strategy & Innovation, Managing Director bei Unterschied & Macher. Sie möchten Prozesse digitalisieren oder innovative digitale Lösungen entwickeln? Dann sollten wir uns kennenlernen.
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