Als Digital Tech Company leben wir Technologie. Zu unserem Mindset gehört auch der Blick über den Tellerrand und Dinge einfach mal selbst auszuprobieren. Wie unser Kollege Stefan. Er hat sich auf eine wahre Achterbahnfahrt durch den Bitcoin-Dschungel und über NFT-Marktplätze begeben, um sein digitales Kunstwerk zu verkaufen.

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In den letzten Wochen hörte man selbst in fachfernen Presseberichten von unglaublichen Preisen, die für digitale Kunstwerke bezahlt wurden. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Künstler Beeple (1), der eines seiner Kunstwerke (genau genommen waren es 5000 kleine Kunstwerke) für umgerechnet 69 Millionen US Dollar verkaufen konnte.

WHAT? 69 Millionen US Dollar?

Hinzu kamen immer mehr Berichte von Künstlern (und solchen, die es sein wollen), die auf digitalen Marktplätzen unglaubliche Summen für ihre Kunst bekamen. Da muss doch auch etwas für mich zu holen sein … dachte ich mir. Und da ich selbst ebenfalls kleine digitale Kunstwerke erstelle, sah ich mich schon in 4 Wochen mit einem Cocktail-Glas auf einer kleinen lauschigen Insel mitten in der Karibik sitzen.

Hand hält einen Cocktail am Strand

© Philipp Kammerer, unsplash.com

Aber bleiben wir bei Beeple – wie in aller Welt hat er das gemacht? Um das zu verstehen, müssen wir ganz vorne anfangen. Der Schlüssel zu den Millionen sind sogenannte „NFTs“.

Ein NFT, ein Non-Fungible Token,  ist ein eindeutiges – „nicht ersetzbares“ – kryptografisches Token (zu deutsch Wertmarke), das im Vergleich zum Fungible Token wie z. B. Bitcoin nicht austauschbar, sondern ein Unikat ist. Das Token kann also auch nicht repliziert werden (Zitat Wikipedia (4)). Bei NFTs handelt es sich demnach um die digitalisierte Version eines Vermögenswertes, ähnlich eines Gemäldes im Analogen.

Im Prinzip kann jedem Token ein individueller Wert und ein Besitzer zugeordnet werden. Wichtig: diese Werte sind nicht austauschbar! Vergleichbar mit einem Picasso Gemälde – um bei der Analogie mit dem Gemälde zu bleiben, das einem Urheber (Picasso, in diesem Moment der individuelle Wert) und einem Besitzer (Mafiaboss) zuzuordnen ist. Genau wie einen Picasso kann man das digitale Werk weiterverkaufen – der Besitzer wechselt, aber nicht der Urheber.

Auch nicht-materielle Werke können einen eindeutigen Token erhalten. So ließen sich z.B. Nutzungsrechte damit verwalten. Erreicht wird das mit Hilfe der Blockchain.

Bei digitaler Kunst hat das den Vorteil, dass man diese Kunst immer eindeutig einem Besitzer zuordnen kann – so wie das Picasso Bild.

Selbstverständlich sind digitale Kunstwerke mit jedem technischen Endgerät unendlich oft vervielfältigbar, doch damit stehen sie physischen Kunstwerken in nichts nach (Fälschungen, Kunstdrucke, Fotografien, etc.). Und genau wie ein „echtes“ analoges Gemälde erhalten sie ihren Wert in erster Linie dadurch, dass den Kunstwerken von uns Menschen dieser Wert zugeschrieben wird (2).

Je intensiver ich mich mit dem Thema NFT beschäftigte, desto größer wurde die Welt, die sich vor mir auftat. Learning by doing – so beschloss ich, ebenfalls ein Kunstwerk auf einem digitalen Marktplatz zu platzieren. Nicht unbedingt um reich zu werden, sondern in erster Linie um es einfach mal gemacht zu haben.

Ist ja alles voll easy!

Auf unzähligen Webseiten wird beschrieben wie einfach es ist, einen NFT zu erstellen und diesen auf einem der digitalen Marktplätze zu verkaufen. Genau das Richtige für mich … Von wegen! Ich berichte nun von meinen Erfahrungen.

Die Grundvoraussetzung für die Erstellung von NFTs ist der Besitz von Kryptowährung, da nur mit dieser Währung bezahlt werden kann. Und soviel sei vorweg schon einmal gesagt: man muss einiges zahlen.

Ein Kryptokonto muss her!

Als erstes benötigte ich Kryptowährung, denn ohne die läuft gar nichts. Die erste Frage – wie und wo komme ich da dran? Für mich als „Bitcoin-Neuling“ war es die erste große Herausforderung, unter einer Vielzahl von Bitcoin-Anbietern den seriösen Anbieter meines Vertrauens zu finden. Nach umfassender Recherche und Gesprächen mit einigen Bitcoin-erfahrenen Menschen entschied ich mich für Bitwala (heute Nuri). Die Kontoeröffnung ging dank virtuellem ID Check recht schnell – in nicht einmal 15 Minuten hatte ich mein erstes Bitcoin-Konto eröffnet.

Ok, ich gehe mal eben Bitcoins kaufen.

Nun konnte es endlich los gehen – her mit der Kryptowährung! Da die meisten NFT- Marktplätze auf Etherium und nicht auf Bitcoin setzen, entschied ich mich zunächst dafür, einen lediglich überschaubaren Betrag zu investieren. Denn mir war bewusst, dass eine negative Aussage Elon Musks über Etherium ausreichen könnte, meinen Invest von einem Augenblick zum anderen zu vernichten.

Die Kursverläufe dieser Währungen reagieren extrem instabil auf den Markt und legen an manchen Tagen Kursverläufe hin, die einer Achterbahnfahrt gleichen. Aber wer ist schon Elon Musk?!? Bei mir ging der Kurs stetig nach oben! In der ersten Woche verdiente ich mit entspanntem Warten 100 Euro und ich begann wieder an die kleine Karibik-Insel, auf der ich in 4 Wochen sitzen würde, zu denken. Der erste kleine Dämpfer: schon in den Tagen, an denen ich diesen Blog-Artikel verfasste, brach der Kurs um 50% ein.

Durch das „Damitbeschäftigen“  wurde mir klar, dass es neben Bitcoin noch eine Vielzahl anderer Kryptowährung-Anbieter gibt und auch in den nächsten Jahren noch eine Menge weiterer auf den Markt kommen werden, die vermutlich genauso schnell wieder verschwinden werden.

Hier eine Liste aller Kryptowährungen.

Achterbahn ©Stephen Hateley, unsplash.com

© Stephen Hateley, unsplash.com

Nächster Schritt in Richtung „rich & famous“ – das Wallet.

Um ein NFT erfolgreich auf einem Marktplatz zu platzieren, muss man sich für einen der vielen Anbieter entscheiden. Es gibt Märkte mit Anbietern, die so kunterbunt und voll sind wie ebay (Rarible) und in die jeder reinkommt, oder Märkte die fein kuratiert (Superrare) werden und die nur auserwählte Anbieter hereinbitten – vergleichbar mit einem seriösen Galeristen.

Da es sich in meinem Fall  nur um ein „Probeprojekt“ handelte, entschied ich mich für Rarible, das ebay der Marktplätze. Auf Rarible kommt jeder rein und genauso sieht es dort auch aus. Die Registrierung erfolgt nicht wie gelernt mit Namen und Adresse, sondern man verbindet direkt sein Wallet mit dem Shop.

Wallwhat – was für ein Wallet?

Das Wallet ist eine Art Schlüsselbund an einer Brieftasche, mit der sich der Besitzer „ausweisen“ und seine Geldbörse öffnen und schließen kann. Mein Wallet konnte ich in Bitwala recht schnell anlegen.

Homepage der NFT-Börse Rarible

© Rarible.com

Ab jetzt wurde es kompliziert. Und teuer.

Achtung, neue Erkenntnis! Auch der Markplatz Rarible lässt nicht jedes Wallet (Schlüsselbund) zu. Ich musste mir daher eine App herunterladen, auf der ich ein weiteres Wallet anlegen konnte, mit dem ich mich dann wiederum mit Rarible verbinden konnte. Dazu nutzte ich die App Rainbow. Das neue, Rarible-kompatible Wallet musste ich jetzt „nur“ noch mit meinen Ether (Remember: Etherium, Kryptowährung) aus dem anderen Wallet füllen. Ging super schnell und war unfassbar teuer. Leider änderte sich der Betrag der Übertragungs-Gebühr (Fee) fast sekündlich – möchte man also, dass das Geld schnell von einem Wallet in das nächste Wallet übertragen wird, um die Übertragungs-Fee möglichst gering zu halten, zahlt man eine Extra-Fee von bis zu 100 US Dollar. Egal. Dann war es soweit: ich hatte nun Ether auf meinem Rarible-Konto! Nun konnte ich endlich eines meiner digitalen Kunstwerke hochladen und es ein paar Stunden später für einige Millionen Euro verkaufen. Wen stören da schon die paar Extra-Fees?!?

Let’s go NFT!

Kunstwerk hochladen? Kein Problem. Die Verknüpfung mit dem Markt ging über einen QR Code recht schnell. Da ich unbedingt ein GIF hochladen wollte, erstellte ich in kürzester Zeit eine 8Bit-Grafik, die ich in Photoshop einfach Frame by Frame animierte.

Das Upload-Fenster ist einfach und unübersichtlich, es gibt einige Einstellungsmöglichkeiten, z.B. Kunstwerk als Auktion oder zum Direkt-Kauf anbieten, vergleichbar mit ebay. Nachdem ich alles nach meinen Wünschen eingestellt hatte, wurde es etwas seltsam – ein Fenster mit „3 following steps“ öffnete sich.

Das Prägen des NFT. Approve – Mint – Set fixed Price – Beeple.

Dieses Fenster sollte ich die nächsten 2 Tage immer wieder auf meinem Monitor sehen, da sich der Prozess des „Minten“ – also dem Prägen des NFT – sehr, sehr lange hinzog. Da der Preis in der Zeit des Prägens sukzessive anstieg und ich nicht mehr genügend Coins in meinem Wallet hatte, um diese Erhöhung auszugleichen, konnte ich die Transaktion nicht durchführen. Ich musste erst weiteres Etherium ins Wallet übertragen, diese Übertragung kostete mich dann wiederum weitere Übertragungs-Fees.

Ok, ich gebe zu – den Mint-Prozess hätte ich mit einer weiteren Speed-Up-Fee für 124 US Dollar beschleunigen können, allerdings entschied ich mich für die langsamere, weil kostengünstigere, „Schildkröten“-Variante.  24 Stunden später und nach weiterem Hin & Her konnte ich den letzten Schritt „Set fixed Price“ anstoßen und nach 2 Tagen Setup-Phase war es dann endlich soweit – ich hatte mein erstes NFT Gemälde im Schaufenster stehen.

Let’s go Beeple!

Stefans NFT-Kunstwerk bei Rarible

© Rarible.com

Wirklich Beeple? Ein abschließendes Fazit.

Nein, ich liege aktuell nicht im feinen Sand am Strand meiner kleinen Karibik-Insel, denn gekauft hat mein Bild niemand. Es gehört eine Menge Arbeit, Glück und Geld dazu, wenn man auf diesen Marktplätzen etwas verkaufen möchte. Da ich kaum die virtuelle Werbetrommel gerührt habe, haben sich „nur“ 21 Personen meine Kunst angeschaut. Sicherlich nicht viel, aber immerhin! Meinen initialen Wunsch, diesen Prozess von Anfang bis Ende zu durchlaufen und am Ende auch noch zu verstehen, konnte ich mir erfüllen. Oh yes, I did it!

Aktuell fühlt sich die Welt der NFTs und Bitcoins für mich ein wenig wie der Wilde Westen an. Ist der Sheriff nicht in der Stadt, gibt es kaum Regulierungen. Außerdem gibt es zu viele Saloons, in denen schlechtes Feuerwasser viel zu teuer verkauft wird. Doch ich bin mir relativ sicher, dass den NFTs in vielen Bereichen die Zukunft gehören wird und in unseren Wallets dann allerlei erworbene Besitztümer stecken werden. Und das vermutlich jederzeit transparent und sicher.

Am Ende ist es wie mit allen Zukunftsthemen. Egal ob NFTs, neue Bezahlverfahren oder künstliche Intelligenz – man sollte sich rechtzeitig damit auseinandersetzen, um die Chancen und Möglichkeiten, die solche Themen bieten, so früh wie möglich zu nutzen.

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Autor

Stefan Winter
Bald unterstütze ich Unterschied & Macher als Senior Experience and Strategy Consultant. Derzeit berate ich Kunden als Geschäftsführer bei Wiesbaden am Meer.
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