Mit "MehrPflegegeld.de" kommt ein Startup zu Wort, dass die Digitalisierung in einem äußerst relevanten Bereich der Gesellschaft vorantreibt, der häuslichen Pflege. Gründer und CEO Tim Bogdan erklärt wie das Start-up die Finanzierung der Pflege verbessern will und vor welchen Problemen die Digitalisierung im sozialen Sektor steht.

Tags: , , , 3,3 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: 16. Mai 2022

Welches Problem löst Euer Start-up?

Laut kürzlich erschienener VDK-Studie verfallen jedes Jahr Ansprüche von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen in Deutschland in Höhe von mindestens 12 Milliarden Euro. Die angebotenen Unterstützungsleistungen für die häusliche Pflege bleiben häufig ungenutzt aufgrund der hohen Voraussetzungen, die pflegende Angehörige erbringen müssen, um diese Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten. Konkret gesagt scheitern diese meist an dem benötigten Wissen über die Ansprüche als auch an dem hohen bürokratischen Aufwand bei der Antragsstellung.

Somit wird die Finanzierung der Pflege in Zeiten von Inflation und generell teurer werdender Pflegeleistungen für diese vulnerable Zielgruppe eine immer größere Herausforderung.

Das wollen wir ändern mit MehrPflegegeld.de. Ähnlich wie bei innovativen Steuerapps, wie das Unicorn Taxfix, wollen wir durch Einfachheit und Schnelligkeit punkten – nur halt im Kontext der ambulanten Pflege. Wir prüfen die finanziellen Ansprüche entlang eines Logikbaums, teilen unmittelbar das Ergebnis über Art und Höhe des Anspruchs und helfen dann anschließend digital bei der Umsetzung dieser Ansprüche. Dies geschieht visuell und in einfacher Sprache gehalten Schritt-für-Schritt entlang eines smarten Workflows bis hin zur digitalen Antragsstellung. Bei Bedarf helfen wir dann auch bei der qualitätsorientierten Suche des passenden Anbieters für die benötigte pflegerische Unterstützung.

Gründerteam von MehrPflegegeld.de

Gesucht, gefunden – wie habt ihr als Gründer zueinander gefunden?

Jakub und ich haben uns bei dem Company Builder „FoundersLane“ in Berlin kennen gelernt. Hier haben wir mehrere Jahre gemeinsam digitale Gesundheitsstartups aufgebaut – er war verantwortlich für den Vertrieb und ich für die Operationalisierung dieser Unternehmungen. Mit den komplementären Erfahrungen im Gepäck und dem Drang nach mehr nachhaltigem Impact durch ein eigenes, gemeinsames Start-up in der Sozialwirtschaft haben wir uns dann die Möglichkeiten in der Pflegebranche genauer angeschaut. Im Sommer 2020 war es dann soweit: Vor Ort bei den Berliner Pflegediensten von Cedric und Kristian, zwei befreundeten Pflegedienstbetreibern mit gemeinsam 25 Jahren Pflegebranchenerfahrung, haben wir uns dann anschließend mit den Ineffizienzen der Pflegebürokratie tiefer auseinandergesetzt. Es wurde dabei relativ schnell klar für uns, dass wir zwischenmenschlich als auch durch unsere unterschiedlichen Fähigkeiten aus Pflege-Know-how und digitalem Unternehmertum gut miteinander harmonierten. Mit der Vision von einer digitaleren und einfacher zugängigen häuslichen Pflege entstand somit die Gründungsidee von MehrPflegegeld.de. Um den Anforderungen eines technologiegetriebenen Pflegestartups gerecht zu werden, haben wir dann etwas später nach Härtung unseres Geschäftsmodells unseren jetzigen CTO Karsten überzeugen können, an unserer Reise teilzunehmen.

Wie bewertet ihr den Status der Digitalisierung im sozialen Sektor – ist da noch Luft nach oben?

Das Gesundheits- und Sozialwesen ist leider noch eine der am wenigsten digitalisierten Branchen in Deutschland. Bewertet man die Relevanz anhand der schlichten Marktgröße (allein die Pflegeausgaben machen 1,5% des BIPs aus!), kombiniert mit dem Trend einer älterwerdenden Gesellschaft mit umhergehend steigenden Unterstützungsbedarfen, darf dies eigentlich nicht so sein.

Neben dem aus den Medien bekannten Fachkräftemangel in der Pflege ist der Bereich leider weiterhin noch stark durch Überbürokratisierung und Ineffizienzen geprägt. Dies äußert sich beispielhaft durch analoge Abläufe, Zettelwirtschaft und wenig Vernetzung zwischen den einzelnen Akteuren und Instanzen.

Nichtsdestotrotz sind die digitalen Geh-Versuche in der Branche durch die letzten Digitalisierungsgesetze von unserem ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn nicht zu verkennen, wie das „Digitale–Versorgung–und–Pflege–Modernisierungs–Gesetz“ (DVPMG) aus 2021. Hierbei sind wertvolle Grundlagen geschaffen worden, wie zum Beispiel für die Anbindung der Pflege an die Telematik-Infrastruktur oder die von der Kasse finanzierten digitalen Pflegeapps (DiPAs).

Fazit: Der soziale Sektor, der spätestens 2040 zum größten Wirtschaftsbereich in Deutschland wird, hat noch ordentlich Luft nach oben was Digitalisierung angeht. Denn spätestens zu dem Zeitpunkt reichen Gehversuche nicht mehr aus – das Kind muss digital erwachsen geworden sein und eine höhere „Last“ tragen können.

Partner

Gründerteam von MehrPflegegeld.de

MehrPflegegeld.de

Online-Anspruchsprüfung für mehr Geld in der häuslichen Pflege

Mehr Infos: https://mehrpflegegeld.de/

Autor

Elke Schreckenbach
Managing Director von Unterschied & Macher. Sie möchten Prozesse digitalisieren oder innovative digitale Lösungen entwickeln? Dann sollten wir uns kennenlernen.
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