Im Interview mit Sebastian Schüßler, Rechtsanwalt und Digitalisierungsmanager Legal Technology Associate Partner bei Rödl & Partner, wird deutlich, wie wichtig die Sensibilisierung für Digitalisierung bei Mandanten und auch bei Mitarbeitern selbst ist. Dort beständig Anreize zu geben, schafft erst einen Wandel.

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Lieber Herr Schüßler Sie arbeiten in einer innovativen Kanzlei. Für welchen Anwendungsfall haben Sie bereits Legal Tech-Lösungen im Einsatz?

Bei Rödl & Partner verfolgen wir eine einheitliche digitale Transformationsstrategie für das Gesamtunternehmen, unsere „Digitale Agenda“. Aus dieser leitet sich wiederum die Digitalisierungsstrategie des Geschäftsfelds Rechtsberatung ab. So sind über die einzelnen Fachbereiche hinweg zahlreiche Legal Tech-Lösungen mit ganz unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten entstanden.

Zwei Beispiele: Unser Onlinetool REG-IS, kurz für „Regelwerks-Informationssystem“, wird bereits seit 2009 eingesetzt und ist mittlerweile Branchenstandard. REG-IS leitet unsere Mandanten durch die vielen externen Anforderungen der Betreiberverantwortung im Gebäudebetrieb. Konkret geht es um über zweitausend Regelwerke, die REG-IS digital aufbereitet und so für den Anwender eine effiziente Immobilienbewirtschaftung ermöglicht.

Ganz neu in unserer „Legal Tech Toolbox“ ist SMARENDO, kurz für „Smart Energy – Let’s do it!“. Diese cloudbasierte Lösung hilft unseren Mandanten beim modernen Energiemanagement. Mit SMARENDO können alle energierechtlichen Pflichten und Fristen rechtssicher digital verwaltet werden. Das wiederum bedeutet, dass unsere Mandanten regelmäßig hohe Effizienzgewinne realisieren.

Das wiederum bedeutet, dass unsere Mandanten regelmäßig hohe Effizienzgewinne realisieren.

Die Evaluation und die Einführung von Legal Tech-Lösungen nehmen sicherlich viel Zeit in Anspruch. Wie lange dauerte dieser Prozess bei Rödl & Partner?

Es kommt darauf an! Ob dem Schwerpunkt nach eine Eigenentwicklung vorliegt, wie etwa bei REG-IS oder ob ein externes Legal Tech Tool, z. B. BRYTER, eingesetzt wird. Natürlich spielt auch der geplante Funktionsumfang eine wichtige Rolle und das Einsatzszenario. So macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein Tool nur in einem Land oder international eingesetzt werden soll. Aus diesem Grund kann ein Auswahlprozess in einigen Wochen abgeschlossen sein oder viele Monate in Anspruch nehmen.

Haben Sie hierzu ein Team aufgestellt? Wer war Teil des Teams?

Mit unserer internen IT-Einheit Rödl Global Digital Services haben wir für die Digitalisierungsprojekte im Geschäftsfeld Rechtsberatung einen starken Partner. Die jeweiligen Projektteams können so je nach Bedarf mit entsprechenden IT-Spezialisten besetzt werden. Besonders wichtig ist dabei immer die Verzahnung zwischen den IT-Einheiten und den juristischen Teams. Hier setze ich als Digitalisierungsmanager an und sorge für einen effizienten Austausch und Ideentransfer zwischen den internen IT-Einheiten und den juristischen Fachbereichen. So treibe ich gezielt Legal Tech-Entwicklungen voran.

Die größte Herausforderung in Digitalisierungs-Projekten in der Rechtsberatung ist die zur Verfügung stehende Zeit.

Sebastian Schüßler, Rechtsanwalt und Digitalisierungsmanager Legal Technology Associate Partner bei Rödl & Partner

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie im Auswahl- und Einführungsprozess zu kämpfen? Was hat Ihnen geholfen?

Die größte Herausforderung in Digitalisierungsprojekten in der Rechtsberatung ist die zur Verfügung stehende Zeit. Gerade für Anwält*innen ist die Mitwirkung häufig nicht einfach zu managen, da sie parallel ihr forderndes juristisches Tagesgeschäft bestreiten müssen. Ein wesentliches Werkzeug, um ein innovationsfreundliches Umfeld zu schaffen, war hier das Einrichten von „sandboxes“. Mit diesen finanziellen und zeitlichen Budgets können Produktentwicklungen für Berufsträger oder ganze Abteilungen pilotiert werden. Durch die aktive Vernetzung der Kolleg*innen über die einzelnen Projekte hinweg kann man ein Netzwerk an Change-Agents innerhalb des Unternehmens aufbauen. Auch entstehen so wichtige Synergien zwischen den einzelnen Geschäftsfeldern.

Bei der Einführung digitaler Tools sollten auch die Mitarbeiter für die Digitalisierungsreise begeistert werden. Wie haben Sie das in Ihrem Unternehmen gelöst?

Innerhalb der Digitalisierungsstrategie des Geschäftsfelds Rechtsberatung gehört die Sensibilisierung für die Potentiale der Digitalisierung zu den zentralen Elementen. So werden mit dem Ausbildungsmodul „Digitaler Führerschein“ die unverzichtbaren Grundlagen für ein modernes digitales Arbeiten gelegt. Zudem bieten wir in unserem Programm SmartUP zur Nachwuchsförderung, für das wir 2018 mit dem PMN-Award ausgezeichnet wurden, gezielt crossfunktionale Workshops an, in denen digitale Kompetenzen interdisziplinär erworben und weitergegeben werden. Über unsere interne Ausbildungsplattform „campus“ können Kurse zu aktuellen Wirtschafts- und Technologietrends, z. B. Blockchain oder Design Thinking, besucht werden. Flankierend haben wir speziell für die Zeiten des social distancing während der Corona-Krise unsere internen Webinarangebote stark ausgebaut.

Wichtig sind auch externe Impulse. Mit unserer Praxisgruppe Legal Tech haben wir beispielsweise letztes Jahr einen Legal Tech Workshop mit einem Inkubator eines großen Finanzunternehmens durchgeführt, um konkrete Einblicke in die Methoden und Arbeitsweisen der digitalen Wirtschaft aus erster Hand zu bekommen.

Digitaler Arbeitsplatz

© Unternehmenskommunikation, Rödl & Partner

Was könnte Ihrer Meinung nach dazu beitragen, dass Investitionen in Legal Tech-Lösungen nicht auf die lange Bank geschoben werden?

Beitragen wird sicherlich die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie, in der wir uns alle mit neuen Arbeitsformen und Kollaborationsmodellen konfrontiert sehen. Dies führt meiner Ansicht nach in vielen Fällen automatisch zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Potentialen der Digitalisierung – ganz sicher auch im juristischen Bereich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Rödl & Partner GmbH

Logo Kanzlei Rödl & Partner
Sebastian Schüssler von der Kanzlei Rödl & Partner

Sebastian Schüßler

Rechtsanwalt und Digitalisierungsmanager Legal Technology Associate Partner bei Rödl & Partner

Kontakt: https://www.roedl.de

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Interviewer

Simon Hentschel
Als Business Development Manager bei Unterschied & Macher ist es mir wichtig, die Probleme unserer Kunden zu verstehen und gemeinsam neue digitale Produkte zu formen.