Wer nicht täglich mit Digitalisierung zu tun hat, für den erscheinen die bei der Einführung neuer Tools und Software-Lösungen verwendeten Begriffe oft wie Fachchinesisch. Benedikt Eger, Head of Technology bei Unterschied & Macher, erklärt in diesem Video, was Infrastruktur eigentlich bedeutet und was Sie wissen müssen, um auf Augenhöhe entscheiden und diskutieren zu können.

Tags: , , 10.6 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: 5. Mai 2021
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Das Interview führt Dr. Paul Gebelein, Digital Business Consultant bei Unterschied & Macher.

Transkript:

Dr. Paul Gebelein: Herzlich willkommen zu „Talking Tech“. Heute reden wir darüber was ich als Anwalt über Infrastruktur wissen sollte. Meist ist es ja so, dass – wenn man nicht täglich mit Digitalisierung zu tun hat – viele der Begriffe, die bei einer neuen Softwarelösung, bei der Digitalisierung von Prozessen auftauchen, wie Fachchinesisch klingen. Und in dieses Dunkel wollen wir heute Licht bringen. Dafür bin ich hier zusammen mit Benedikt Eger. Benedikt ist Head of Technology bei Unterschied & Macher in Frankfurt und wir wollen heute mal erklären, was Sie als Anwalt wissen müssen, um auf Augenhöhe mitdiskutieren zu können und auch entscheiden zu können. Hallo Benedikt!

Benedikt Eger: Hallo Paul!

Paul: Genau, das Thema heute: Infrastruktur. Das Wort ist, denke ich, geläufig. Es ist kein Wort, das nach Fachchinesisch klingt. Aber was sich genau dahinter verbirgt, ist vielleicht doch dann nicht ganz so klar, vor allem in diesem Kontext. Ich persönlich denke erst mal an Straßen, Stromleitungen und Funklöcher zugegebenerweise, weil dann wenn sie nicht funktionieren. Worum geht es denn jetzt hier konkret? Und warum ist es nicht in diesem Kontext?

Benedikt: Ja genau. Prinzipiell ist es ja so, dass man, wenn man eine neue LegalTech-Lösung einführt oder überhaupt eine neue Technologie im Unternehmen einführt, man sich im ersten Moment einfach nur denkt: es soll halt funktionieren. Und natürlich ist das richtig, natürlich soll es funktionieren. Aber in vielen Fällen greift das auch zu kurz, weil die Wahl der Infrastruktur, also das wo denn dann die Software läuft, eine Auswirkung auch auf fachliche Fragen hat. Und das ist der Grund warum man sich auch als Anwalt dann damit beschäftigen sollte.

Paul: Ok, also es gibt also eine fachliche Komponente von Infrastruktur. Das ist wichtig zu verstehen. Das bedeutet, wenn es das gibt dann… und ich als fachlicher Experte unterwegs bin in so einer Einführung, das bedeutet, das ist für mich ja dann auch wichtig ist mitzudiskutieren und gegebenenfalls mitzuentscheiden. Wie sieht das denn aus bzw. um was geht es da konkret?

Benedikt: Auf jeden Fall ist es definitiv wichtig in dem Thema zumindest ein Grundverständnis zu haben, um eben diese Gespräche auch führen zu können. Im Wesentlichen geht es dabei meistens um Daten, die in der Anwendung gespeichert werden. Also vielleicht gar nicht so sehr in erster Linie um die Anwendung selbst, sondern um das was ich da an business-kritischen Daten reinpacke. Und hier geht es hauptsächlich um eben die Themen: wer hat die Kontrolle über die Daten, wie sicher sind die Daten und dann am Ende aber auch geht es um die Wartung der Software.

Paul: Jetzt hast du das Stichwort Daten genannt. Die DSGVO ist wohl bekannt. Wie wirkt sich das jetzt auf das Thema Daten aus und Datenschutz und vielleicht auch Sicherheit? Aber vor allem erstmal Datenschutz?

Benedikt: Da ist es im ersten Moment in Sachen Datenschutz am wichtigsten, sich darüber im Klaren zu sein, was passiert mit diesen Daten. Und da kommen wir tatsächlich zum ersten infrastrukturrelevanten Thema, nämlich der Frage wo läuft diese Software tatsächlich? Also läuft die Software bei mir im Haus in meinem eigenen Rechenzentrum oder läuft sie im Rechenzentrum von jemand anderem, zum Beispiel Amazon oder Microsoft? Und dann reden wir über Cloud Installationen. Und je nachdem, welche Variante ich hier wähle, hat das natürlich Auswirkungen auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Am einfachsten ist es natürlich, wenn die Daten bei mir im Haus – on premise sagt man – stehen, weil ich dann eben auch sehr einfach die Kontrolle über die Daten habe. Nur ist das nicht immer die bequemste Variante eine Software zu installieren. Und manche LegalTech-Lösung gibt es tatsächlich nur als Cloud-Variante. Und dann kommt eben die Frage was passiert mit den Daten, wo wandern denn die Daten tatsächlich hin?

Paul: Das bedeutet jetzt beim Thema Daten, das ist, denke ich, schon klar geworden, gibt es eine Menge zu entscheiden. Tatsächlich, vermutlich mit Bezug auf den konkreten Fall, oder kann man das allgemein entscheiden?

Benedikt: Es gibt ein paar Aspekte, die tatsächlich sehr allgemein sind. Also die DSGVO, die gilt eben immer dann, wenn ich personenbezogene Daten habe. Aber auch hier wird es dann schon interessant. Zunächst gibt es natürlich die Frage: was sind denn überhaupt personenbezogene Daten? Das muss man erst mal klären. Oder welche von den Daten, die ich speichern möchte, sind personenbezogene Daten, für die dann spezielle Anforderungen gelten? Das ist aber noch nicht alles. Denn sobald ich Daten von meinen Kunden speichere, von meinen Klienten speichere, brauche ich eine vertragliche Basis um das tun zu können. Und je nachdem, was in dem Vertrag mit den Klienten und aber auch im Vertrag mit dem Softwareanbieter drinsteht, gelten da unterschiedliche Regeln, was ich denn mit diesen Daten tun darf.

Paul: Du hast jetzt noch ein anderes Stichwort genannt vorhin. Und zwar das Thema Sicherheit. Für mich klingt das erst mal relativ nah dran, Daten, Datensicherheit, Sicherheit. Worum geht es da genau und wo ist da vielleicht der Unterschied zu dem was wir jetzt beim Schutz von personenbezogenen Daten besprochen haben?

Benedikt: Es ist tatsächlich ein Thema was sehr eng damit verwandt ist. Es geht aber dann noch ein bisschen tiefer und da fängt es dann auch wieder an technisch zu werden. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die Verschlüsselung von Daten. Also das heißt, es macht einen Unterschied, ob ich Daten, die mir übergeben werden von meinen Klienten, im Klartext irgendwo ablege oder ob die verschlüsselt abgelegt werden. Je nachdem wie ich das mache oder wie auch das der Softwareanbieter macht, wird‘s meistens durch Verschlüsselung rechtlich einfacher, organisatorisch aber komplexer.

Paul: Also auch da geht es darum zu verstehen, was ist wirklich konkret in dem Fall notwendig und was ist dann der Weg, den man gehen kann. Und es gibt verschiedene Wege. Scheinbar. Also wieder etwas, was es zu entscheiden gilt. In der Situation.

Benedikt: Ja, definitiv. Das ist… sind Entscheidungen, die man nicht alleine, ja ich sag mal so, den Technikern überlassen sollte. Weil man ja eben diese vertraglichen Bedingungen auch berücksichtigen muss. Und die kennt unter Umständen der Techniker nicht. Jetzt mal als Beispiel gesprochen, man sagt: ach, okay es ist egal, ich leg das im Klartext irgendwohin. USA, ist auch egal. Und am Ende handelt man sich damit dann riesige rechtliche Probleme ein. Oder stellt dann fest, dass man nochmal komplett umbauen muss, was dann natürlich auch sehr viel Geld kosten kann.

Paul: Es kann ja auch ehrlicherweise von einem Techniker nicht verlangt werden, dass er diese ganzen Implikationen auch im Blick hat. Ziel ist ja, würde ich sagen, eher die beste technische Lösung zu finden. Aber so wie ich es jetzt verstanden habe, ist das der Grund warum es so wichtig ist, dass man auch aus rechtlicher Perspektive mitredet und mitreden kann.

Benedikt: Ja, richtig. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass man eben sagt: okay, es kann nicht allein der Techniker entscheiden. Weil dem eben der fachliche Bezug und auch der rechtliche Bezug fehlt. Es kann aber auch nicht alleine der Anwalt entscheiden, weil dem fehlt eben die technische Komponente. Was wir jetzt hier machen, ist so ein bisschen versuchen die Brücke zu schlagen zwischen beidem. Aber letztendlich bei der Einführung der Software ist es wichtig, dass die Fachlichkeit und die Technik gemeinsam arbeiten.

Paul: Das heißt, wie so oft, sie müssen miteinander reden.

Benedikt: Ja, sie müssen miteinander reden. Das ist richtig.

Paul: Das ist eine Wahrheit auf die man öfters stößt. Genau. Ich möchte noch einmal zu einem Punkt zurückkommen, und da möchte ich nochmal an den Anfang springen, an dieses Beispiel, was ich gesagt habe, wenn ich an Infrastrukturen denke und an Straßen, Brücken und Funklöcher denke. Woran nicht, also was da einleuchtend ist, denke ich, ist, dass Straßen gehen kaputt und dann müssen sie gewartet werden. Das kennen wir alle, dann gibt es Baustellen und vielleicht Stau und das ist eben diese Wartung dieser Infrastruktur. Wie sieht es denn jetzt mit digitaler Infrastruktur aus? Ist da Wartung auch ein Thema bei einem digitalen Produkt? Das nutzt sich ja vielleicht erstmal nicht so ab wie eine Straße, aber muss man da gegebenenfalls auch was machen? Also wie sieht es mit Wartung aus?

Benedikt: Ja, definitiv. Wartung ist auch einer der wichtigen Punkte, die man sich im Vorfeld schon mal betrachten sollte. Auch bei digitalen Produkten, kennen wir ja aus der eigenen Erfahrung, kennen die Wartung. Es gibt Windows Updates und das Handy braucht irgendwann mal ein Update. Und so ist es eben auch bei den LegalTech-Lösungen. Da gibt es eben anders als Updates, die einfach nur Fehler beseitigen. Aber gerade in dem Feld ist es auch wichtig, dass Updates eingespielt werden, die neue rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen und natürlich auch immer mal wieder neue Features mit reinbringen. Und das insgesamt führt eben dazu, dass man nicht einmal was installieren kann und das bleibt dann die nächsten Jahrzehnte so. Sondern man muss ein Konzept dafür haben wie man regelmäßig neue Updates in die Software einspielt. Und das hängt dann eben auch wieder davon ab, welches Betriebsmodell man gewählt hat. Da sind wir wieder bei dem Punkt, den wir vorhin besprochen haben. Befindet sich die Software in der Cloud oder befindet sich die Software bei mir im Rechenzentrum. Je nachdem sind da einfach unterschiedliche Wege einzuschlagen, was das Thema Wartung angeht. Und als Umkehrschluss daraus muss man sich im Vorfeld überlegen: habe ich die Möglichkeiten das jeweils zu tun? Beispiel: Software steht bei mir im Rechenzentrum. Es muss bei mir im Unternehmen jemand geben, der sich darum kümmert regelmäßig Updates einzuspielen.

Paul: Also auch bei dem Thema gibt es einiges zu entscheiden aus geschäfts- und organisatorischer Perspektive. Und das hört sich so an als wäre das auch ein fortlaufendes Thema und ist nicht mit der Einführung beendet.

Benedikt: Ja, tatsächlich. Das ist ein Thema. Das wird einen eben begleiten und zwar relativ unabhängig davon, ob die Software jetzt in der Cloud läuft oder ob sie bei mir läuft. In gewissen Aspekten wird’s einfacher, wenn die Software in der Cloud läuft, weil da oft – aber auch nicht immer – der Anbieter der Software sich darum kümmert, dass die Updates eingespielt werden.
Auf der anderen Seite ist es dann so: ich kann mich dann aber auch gegen ein Update nicht wehren. Und warum sollte ich das wollen? Manche Updates, ja, bringen es mit sich, dass man selber an seinen Daten Arbeiten durchführt und wenn man die jetzt automatisch geupdatet bekommt, dann muss man diese Arbeit einplanen zu dem Zeitpunkt wo eben der Cloud-Anbieter beschließt, dass er jetzt dieses Update einspielt. Wenn ich das unter meiner Kontrolle habe, dann kann ich den Zeitpunkt wählen. Es ist vielleicht eine gute Sache, dass nicht in der Woche vor Weihnachten zu machen oder gerade doch, weil da sonst niemand arbeitet. Das kann ich dann selber entscheiden.

Paul: Ok, verstehe. Also einige Planungsaspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Wow! Also Infrastruktur, alles andere als ein langweiliges Thema: Und so wie ich das jetzt verstanden habe ist, was du gesagt hast, tatsächlich für den Erfolg von einer Lösung oder einer Software wirklich entscheidend. Ich glaube wir haben jetzt total schon echt viele wichtige Punkte adressiert. Gibt es denn noch einen Punkt, den du noch mal besonders hervorheben möchtest?

Benedikt: Einen Punkt, wollte ich noch mal ins Rennen schicken sozusagen. Wir kratzen hier ziemlich an der Oberfläche. Wenn man in diese Themen eintaucht, dann wird es natürlich noch mal komplizierter und da ist es eben wichtig, dass man einen Ansprechpartner hat, der quasi dieselbe Sprache spricht, wie man selber. Damit man eben nicht in diesen technischen Details versinkt, sondern diejenigen Technikaspekte bespricht, die fachliche Auswirkungen haben.

Paul: Gut, super. Ich glaube das war, also ich habe viel gelernt. Das war super informativ. Dank‘ dir Benedikt.

Benedikt: Ja, vielen Dank Paul für’s Gespräch.

Paul: Wir haben einiges Licht ins Dunkel gebracht zu diesem Thema. Genau. Und vielleicht sprechen wir noch mal in diesem Kontext.

Benedikt: Ich würde mich freuen.

Paul: Alles klar.

Autor

Benedikt Eger
Head of Technology, Managing Director bei Unterschied & Macher. Mit mittlerweile jahrzehntelanger Expertise in der digitalen Produktentwicklung berate ich Kunden aus Legal und Finance. Mein Fokus liegt dabei immer darauf, die richtige Lösung für die aktuelle Challenge zu finden - sei es durch den Einsatz eines existierenden Produktes oder individuelle Implementierung.
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